Hausärzteverband Hessen

Interner Bereich

Rundbrief - Aktuelle Nachrichten aus Berlin

06.02.2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

über die so genannten „Betreuungsstrukturverträge" wurde in den letzten Wochen kontrovers diskutiert und gestritten. Auch wir als Deutscher Hausärzteverband haben seit längerer Zeit immer wieder vor diesen Verträgen, die zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen ge-schlossen werden, gewarnt.
 

Aufsichtsbehörden erklären bestehende Betreuungsstrukturverträge für unzulässig

Jetzt haben Aufsichtsbehörden der Sozialversicherungsträger Rahmenbedingungen und Maßnahmen beschlossen, um die unzulässige Beeinflussung bei den Kodierungen durch die Krankenkassen zu stoppen. Konkret wurde festgestellt, dass gesonderte Vergütungen allein für korrekte Kodierungen nicht zulässig sind. Außerdem müssen die Verträge ein schriftliches Einschreibeverfahren des Ver-sicherten vorsehen. Damit sind diese bis jetzt bestehende Verträge rechtswidrig und damit unzu-lässig.
 

Betreuungsstrukturverträge tragen nichts zur Patientenversorgung bei!

Zur Erinnerung: Mit den Betreuungsstrukturverträgen versuchen die Krankenkassen die Kodierungen so zu optimieren, dass sie höhere Zuweisungen aus dem morbiditätsorientierten Risikostrukturaus-gleich (Morbi-RSA) erhalten. Für die Krankenkassen ist das ein äußerst lukratives Geschäft, denn sie erhalten für manche Diagnosen ein Vielfaches an Zuweisungen aus dem Morbi-RSA als für andere.
Unsere Kritik zielt nach wie vor darauf, dass die Verträge nichts zur Patientenversorgung beitragen. Trotzdem investieren die Kassen jedes Jahr hunderte Millionen Euro. Ich brauche Ihnen nicht zu er-klären, dass es mehr als genug Bereiche gibt, wo eine deutliche Unterfinanzierung der hausärztlichen Leistungen besteht und das Geld dringend für die Patientenversorgung gebraucht wird. Neuestes Beispiel ist die skandalöse Honorierung der Hausärztinnen und Hausärzte beim Medikationsplan! Wir Hausärzte sind nicht dafür da, den Kassen finanziell unter die Arme zu greifen!
 

Investitionen in Versorgungsstrukturen müssen ausgebaut werden

Bei den Verträgen zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV), die nachweislich die Versorgung unse-rer Patienten verbessern, müssen wir mit den meisten Kassen um jeden einzelnen Euro kämpfen. Es ist uns zum Glück gelungen, Fallwerte zu erstreiten, die im Schnitt knapp 30 Prozent über der Ver-gütung im Kollektivvertrag liegen. So werden die hausärztlichen Leistungen endlich fair honoriert. Davon profitieren natürlich auch unsere Patienten. Übrigens: Die umfassendere Betreuung unserer Patienten in den HZV-Verträgen erlaubt es uns, die Krankheiten präziser zu dokumentieren. Diese Kodierungen resultieren aus einem realen Versorgungsgeschehen. Wir Hausärzte können so unserer Verpflichtung nach einer korrekten Kodierung besser nachkommen. Das ist ein positives Nebenpro-dukt der besseren Versorgungsstruktur.


Kodierrichtlinien, die zu bürokratischem Overkill führen, lehnen wir ab!

Unsere Patienten, die Krankenkassen und nicht zuletzt wir Hausärzte haben gleichermaßen ein Inte-resse daran, dass die Morbidität der Bevölkerung durch möglichst zielgenaue Kodierungen korrekt abgebildet wird. Dafür braucht es aber weder Betreuungsstrukturverträge noch irgendwelche Kodier-richtlinien, die den bürokratischen Aufwand noch weiter ad absurdum führen. Die Folge wäre, dass wir noch mehr Zeit mit Papierkram verbringen, statt mit unseren Patienten. Solche Kodierrichtlinien werden wir als Verband in aller Deutlichkeit zurückweisen! Darüber hinaus werden wir uns mit voller Kraft dafür einsetzen, dass keiner Hausärztin und keinem Hausarzt durch die unzulässige Praxis der Krankenkassen bei den Betreuungsstrukturverträgen ein Schaden entsteht!
 

Mit einer starken Mitgliederbasis können wir auch gegen bürokratische Kodierrichtlinien vor-gehen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen – unsere Stimme hat in der politischen Auseinandersetzung Gewicht. Das liegt vor allem an unserer starken Mitgliederbasis. Damit dies auch in Zukunft so bleibt und wir in der Lage sind, Irrwege wie die bürokratischen Kodierrichtlinien zu bekämpfen, bitte ich Sie: Werben Sie unter Ihren Kolleginnen und Kollegen für eine Mitgliedschaft in Ihrem Hausärzteverband!
Kollegiale Grüße
Ulrich Weigeldt
Bundesvorsitzender

 


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