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Kooperative Versorgungsmodelle haben Zukunft – Beispielhafte Konzepte in Wiesbaden und Willingen

Kooperative Versorgungsmodelle können eine Möglichkeit sein, dem Ärztemangel zu begegnen – und sie können Hausärztinnen und Hausärzte entlasten. So treibt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband das „Hausärztliche Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“, kurz HÄPPI, voran. Ein Pilotprojekt dazu startet ab Juli 2024 in Baden-Württemberg. In Hessen gibt es bereits ähnliche Konzepte, zum Beispiel das Gesundheitsmodell CURANDUM für 21.000 Menschen in abgelegenen Stadtteilen Wiesbadens oder das regionale Gesundheitsnetzwerk PORT Willingen-Diemelsee, das mehr als 40 Leistungserbringer verbindet.

Wiesbaden/Willingen, 28.6.2024. Die Menschen werden immer älter, der Bedarf an Gesundheitsleistungen wächst. Gleichzeitig brechen Strukturen weg, weil Hausärztinnen und Hausärzte keine Nachfolgerinnen und Nachfolger finden. Mit Blick auf diese Situation sind in den vergangenen Jahren Gesundheitsnetzwerke wie CURANDUM und PORT Willingen-Diemelsee entstanden. Auch Mitglieder des Hausärzteverbandes Hessen haben solche innovativen Versorgungsmodelle mit aufgebaut. So etwa Dr. Dirk Bender. Der Vorsitzende des Bezirks Waldeck des Hausärzteverbandes Hessen engagiert sich seit 2012 im Gesundheitsnetzwerk PORT Willingen-Diemelsee. „Als Hausarzt habe ich einen Versorgungsauftrag, den ich ohne ein Netzwerk wie PORT es bietet, heutzutage manchmal kaum erfüllen könnte“, sagt der 56-jährige. So sieht es auch Dr. med. Susanne Springborn: „Früher haben Hausarztpraxen nebenbei sehr viel an sozialer und sozialmedizinischer Arbeit geleistet – heute fehlt dafür oft die Zeit. Hier füllt CURANDUM eine Lücke“, sagt die 55-jährige Hausärztin aus Wiesbaden, die das Gesundheitsmodell seit 2017 mit aufgebaut hat.

CURANDUM: Gesundheitsmodell für mehr als 21.000 Menschen

Gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern gründete Springborn zunächst den gemeinnützigen Verein CURANDUM. Das Ziel: Neue Wege in der Prävention, Betreuung und Pflege zu gehen und das selbstbestimmte Leben im Alter zu fördern und zu ermöglichen. „Es geht uns darum, ein Netz von Kümmerern zu schaffen“, erklärt Springborn, “ein offenes Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Professionellen und politisch Aktiven vor Ort.“ Über den Verein haben sich mehr als 60 Akteure zu einem virtuellen Gesundheitszentrum vernetzt, so etwa Apotheker, Hausärztinnen, Fachärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Osteopathen, Pflegedienste und ein Sanitätshaus. Die Fäden laufen bei zwei Quartiersmanagerinnen zusammen. Sie sind Ansprechpartnerinnen für Patienten und ihre Angehörigen: Sie wissen zum Beispiel Rat, wenn erwachsene Söhne und Töchter ratlos sind, weil ihre alten Eltern plötzlich nicht mehr alleine zurechtkommen. Mehr: https://www.hausaerzte-hessen.de/aktuelles/news/716-bericht-curandum

PORT Willingen-Diemelsee: Netzwerk für mehr als 11.000 Menschen

Das, was bei CURANDUM die Quartiersmanagerinnen sind, übernehmen bei PORT Willingen-Diemelsee die Versorgungslotsinnen. Der eingetragene Verein PORT – der Name steht für „Patientenorientiertes Zentrum zur Primär- und Langzeitversorgung“ – war ursprünglich ein Projekt der Robert-Bosch-Stiftung mit dem Ziel, die ambulante Primär- und Langzeitversorgung zu verbessern. Dem Netzwerk gehören rund 40 Leistungserbringer an: Arztpraxen, Vertreter der Kommunen, Apotheken, Sanitätshäuser, Physiotherapeuten, rehabilitative Kurzzeitpflege- und Tagespflege, Seniorenheime und ambulante Pflegedienste. Auch mit den Kliniken im Umkreis arbeitet das Netzwerk zusammen. PORT will erreichen, dass Patientinnen und Patienten – egal welcher Altersgruppe – möglichst frühzeitig durch professionelle, aber auch ehrenamtliche Strukturen unterstützt und begleitet werden. Mehr: https://www.hausaerzte-hessen.de/aktuelles/news/748-port-willingen

Durch Vernetzung Angebote besser nutzbar machen

Bei PORT wie bei CURANDUM ist ein wesentliches Ziel, Versorgungsstrukturen so weiterzuentwickeln, dass die Angebote, die es bereits gibt, vernetzt und so besser nutzbar gemacht werden. „Vernetzung von Praxen und weiteren Gesundheitsanbietern wird in Zukunft immer wichtiger, das gilt auch für Einzelpraxen, die mit immerhin rund 78 Prozent aller Praxen das Rückgrat der Versorgung darstellen“, sagt Christian Sommerbrodt, erster Vorsitzender des Hausärzteverbandes Hessen und Hausarzt in Wiesbaden.

Strukturierte Vernetzung entlastet Praxen nachhaltig

„Wir vernetzen uns zunehmend mehr im Gesundheitssystem, die Sektorengrenzen werden weiter aufgelöst und es entwickeln sich neue Versorgungsformen“, so Sommerbrodt. „Für Hausarztpraxen wird zum Beispiel eine gute und strukturierte Vernetzung mit Apotheken, Sanitätshäusern, Pflegediensten und Pflegeheime sowie sozialen Beratungsstellen nicht zusätzliche Belastungen bringen, sondern die Versorgung der Patientinnen und Patienten verbessern und die Praxen nachhaltig entlasten“, betont der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hessen. Es sei die Aufgabe des Verbandes, die Kolleginnen und Kollegen auf diesem Weg zu begleiten und zu unterstützen. „Das HÄPPi-Konzept ist hierbei ein wesentlicher Baustein“, so Sommerbrodt.

Pressekontakt:
Gundula Zeitz, Pressereferentin HÄVH
Tel.: 0171 813 26 71
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