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"Berufspolitisches Engagement lohnt sich" - Einblicke in den 128. Deutschen Ärztetag 2024

Als neu gewählte Ersatzdelegierte besuchte Petra Hummel, erste Vorsitzende des Bezirks Taunus des Hausärzteverbandes Hessen, den 128. Deutschen Ärztetag vom 7 bis 10. Mai in Mainz. Im folgenden Bericht teilt sie ihre subjektiven Eindrücke. Die Teilnahme als Beobachter steht im Übrigen allen Ärztinnen und Ärzten frei.

Mainz, 12. Mai. Ich muss sagen, ich bin froh, erst mal nur in dieser beobachtenden Funktion der Veranstaltung beigewohnt zu haben, um mir einen Einblick zu verschaffen und nicht gleich voll in das Geschehen eintauchen zu müssen. Die Fülle der Anträge, insgesamt 211 mit teils mehreren Änderungsanträgen, erschlägt einen beim ersten Ansehen fast. So konnte ich mich mit dem Onlineportal schon einmal vertraut machen und den teils ausgedehnten Diskussionen zu wirklich wichtigen und manchmal in dieser Diskussionstiefe mir persönlich weniger wichtig erscheinenden Themen folgen.

Als erstes habe ich mich an der von verschiedenen Verbänden (Medi, Hartmannbund, Hausärztinnen- und Hausärzteverband, MFA-Bundesverband, verschiedenen Fachgesellschaften) initiierten Demonstration vor der Rheingoldhalle beteiligt. Leider war diese Demo eher mau besucht, was unsere Schlagkraft nicht unterstrichen hat. Die Meinungsäußerungen zur aktuellen Lage aller Ärztinnen und Ärzte, egal wo und wie sie arbeiten, und der MFA sowie zur Gesundheitspolitik insbesondere seitens des Bundesgesundheitsministeriums, waren jedoch sehr deutlich zu hören.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, eröffnete den Ärztetag mit einer sehr guten Rede, in der er die wunden Punkte unseres Gesundheitssystems, aber auch der heutigen Zeit, die von gesellschaftlichen Problemen und internationalen Krisen und Konflikten geprägt ist, herausarbeitete. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach machte in seiner Ansprache deutlich, dass er alle bestehenden Probleme wahrgenommen hat, aber seine eigene gesundheitspolitische – mit vielen drängenden Gesetzen gespickte – Agenda weiterverfolgen wird. Der Bundesgesundheitsminister spricht von Gesprächsbereitschaft, aber ist de facto nicht bereit, andere Meinungen in seine Gesetzeskonstruktionen aufzunehmen. Die Reform der GOÄ bezeichnete er erneut als nicht prioritär, also ist in dieser Legislaturperiode nicht mehr damit zu rechnen. Dafür äußerte sich Karl Lauterbach positiv zu einem Primärversorgersystem, wobei er da wohl nicht rein hausärztliche Strukturen und schon gar nicht kleine oder gar Einzelpraxen meint.

Und hier sind wir dann bei einem der wichtigsten Beschlüsse des Ärztetages für uns Hausärzte angekommen: Vor dem Hintergrund der zunehmenden Alterung und Morbiditätsbelastung der Bevölkerung fordert der Ärztetag zur Entlastung der Humanressourcen die Einführung eines verpflichtenden Primärarztsystems, in dem wir Hausärztinnen und Hausärzte die Koordination übernehmen sollen, sowie die Entbudgetierung im haus- wie im fachärztlichen Bereich.

Es wurde eine wunderbare Resolution für Menschlichkeit und gegen Diskriminierung in Erinnerung an das Genfer Gelöbnis, zu dem wir uns verpflichtet haben, verabschiedet.

Viele weitere Beschlüsse folgten, so etwa zur Nachwuchsförderung durch Erhöhung der Studienplätze, zum Ausbau der Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen der Krankenhausreform aber auch der Weiterbildung im niedergelassenen Bereich (bei uns ja schon lange fester Bestandteil), zu einer Kompetenzverbesserung der Weiterbildungsermächtigten durch verbindliche Train-the-Trainer-Fortbildungen, zu einem verbindlichen Personalbemessungssystem für den ärztlichen Bereich (inwieweit uns das in Zukunft in den Praxen tangiert bleibt abzuwarten), zu (finanziellen/steuerlichen) Anreizen für Ärztinnen und Ärzte im Ruhestand, die bereit sind, wieder in der Patientenversorgung tätig zu werden sowie zu fairen Rahmenbedingungen für die geplante Ambulantisierung der Versorgung. Die Öffnung von Level 1i-Krankenhäuser zur Einrichtung von Primärversorgungszentren wurde abgelehnt, die Einführung einer „TaskForce Entbürokratisierung“ beschlossen, die Einrichtung gemeinsamer oder vernetzter Leitstellen von 112 und 116117 mit validierter standardisierter Ersteinschätzung zur Patientensteuerung in die notwendige Versorgungsebene gefordert und vieles mehr.

Sehr emotionale Diskussionen gab es um Anträge zum §218 und um die Streichung der Homöopathie aus der Weiterbildungsordnung und auch deren besondere Abrechenbarkeit in der GOÄ.

Nicht immer konnte die hausärztliche Fraktion ihre gesteckten Ziele erreichen, aber einige wichtige Beschlüsse wurden in unserem Sinne gefasst, und das ist gut so.

In den Pausen und an den Abenden konnte ich viele Gespräche führen, Menschen mit ihren Meinungen kennenlernen und somit das Netzwerk vergrößern. Als ich am Freitag dann nach Hause fuhr, rauchte mir der Kopf, ich habe immens dazugelernt, natürlich vornehmlich auf berufspolitischer aber auch gesellschaftlicher und menschlicher Ebene, konnte auf ganz kleinem Dienstweg nebenbei mein Problem mit dem eLogbuch klären und zu guter Letzt hat es auch einfach Spaß gemacht.

Berufspolitisches Engagement lohnt sich – persönlich, für die Kolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt gesellschaftlich!

Petra Hummel