Aufruf  -  19.10.2022

Jetzt reicht´s - wir sind es leid!


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir bitten Sie, Ihre Praxen am Mittwoch, dem 26.10.22 und Mittwoch, dem 30.11.22 zwecks Durchführung der ersten hessischen Ärzteprotesttage zu schließen.

Mit der Forderung des GKV-Spitzenverbands nach einer gesetzlich festzuschreibenden Nullrunde für die nächsten Jahre in unserem Honorarsystem wurde der Bogen endgültig überspannt.

Die Steigerungsraten des Orientierungspunktwertes in den vergangenen fünf Jahren (1,58%, 1,52%, 1,25%, 1,275% und jetzt 2%) haben niemals die Steigerung unser Praxiskosten abgedeckt. Allein die Steigerung der Tarifverträge für unsere MFA in den Jahren 2020 bis 2023 betrug 12%. Um nicht missverstanden zu werden: Das haben sich diese wirklich verdient, es muss aber auch refinanziert werden. Dazu kommen immer weiter steigende Kosten für Mieten, Energie, IT-Systeme, Verbrauchsmaterialien et al.

Allein um unser Einkommen beizubehalten, wurden wir gezwungen, unsere sowieso schon extreme Selbstausbeutung immer weiter zu steigern – und dies in einer Zeit, in der uns die Pandemie schon bis zur absoluten Belastungsgrenze gefordert hat.

Nun streicht der Bundesgesundheitsminister nonchalant die Neupatientenregelung, die erst vor zwei Jahren mit großem Brimborium als sinnvolle Maßnahme eingeführt wurde, und zieht damit weitere Hunderte von Millionen Euro aus dem ärztlichen Vergütungssystem.
Hinzu kommt eine GOÄ, in der das ärztliche Honorar seit 1996, das heißt seit 26 Jahren (!) überhaupt nicht gesteigert wurde.

Als wenn diese finanziellen Belastungen nicht schon ärgerlich genug wären, werden wir seit Jahren mit immer neuen, völlig unausgegorenen IT-Systemen zwangs„beglückt“. Diese stellen für die ärztliche Praxis bisher reine Zeit- und Kostenfresser dar und führen durch häufige Systemabstürze zu ständigen Störungen des Praxisablaufes.

Immer weniger junge Kolleginnen und Kollegen sind bereit, sich diesen Bedingungen auszusetzen. Damit wird es immer schwieriger, Nachfolger für unsere Praxen zu finden. Die ambulante ärztliche Versorgung wird immer weiter ausgedünnt und die Belastung für die verbleibenden Kollegen immer größer.

So wird unser seit Jahrzehnten dank der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte bewährtes System der ambulanten Versorgung mit voller Absicht vor die Wand gefahren. Die langfristige Existenz der inhabergeführten Arztpraxis ist durch die genannten Maßnahmen gefährdet!

Wir sind es leid, dieser Entwicklung zuzuschauen und beginnen daher am 26.10. eine Protestkampagne, die erst dann ein Ende findet, wenn man in Berlin die Voraussetzungen schafft, dass unsere Patientinnen und Patienten auch in Zukunft noch adäquat ärztlich versorgt werden können.

Als erste Maßnahmen möchten wir Sie für Mittwoch, den 26.10.22 und Mittwoch, den 30.11.22 zur protestbedingten Schließung Ihrer Praxen auffordern.

Organisieren Sie bitte für dringende Fälle eine kollegiale Vertretung durch ggf. auch weiter entfernt liegende Praxen, die sich dem Protesttag nicht anschließen möchten. Dadurch ergeben sich für die Bevölkerung schon heute die Zustände, die sich Politik und Krankenkassen offensichtlich für das zukünftige Gesundheitssystem vorstellen.

Natürlich müssen weitere Maßnahmen folgen, um den Druck auf Krankenkassen und Politik zu erhöhen.

Bitte nehmen Sie die Mehrarbeit an den Folgetagen als notwendiges Übel in Kauf. Wenn wir weiter tatenlos zuschauen, werden die Folgen für uns alle viel einschneidender sein.


Mit kollegialen Grüßen


Dr. Ralf Moebus, Dr. Burkhard Voigt, Dr. Martin Gunkel                                                                                         Armin Beck, Dr. Christoph Claus, Dr. Jürgen Burdenski
für den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, Landesverband Hessen                                          für den Hausärzteverband Hessen

 

Hausärzteverband Hessen e.V.
1. Vorsitzender Armin Beck (v. i. S. d. P.)
Hofheimer Str. 16a, 65795 Hattersheim
Tel: 06190/9743470 / Fax: 06190/9743479
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www.hausaerzte-hessen.de

 

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